D2D Tag 8/13 (Mitte)

Start: 09:43 Uhr
Tageskilometer: 62,58 km
Tourenkilometer: 518,43 km
Fahrzeit: 04:11:54
Höhenmeter: 222 hm
Etappenziel: Elxleben in Thüringen

Nachdem die gestrige Etappe und auch der Blog recht kurz ausgefallen ist, konnte ich die Zeit optimal nutzen und mir die Stadt Mühlhausen anschauen. Meine jeweils besuchten Städte auf meiner Reise haben alle einen gewissen Charme. Allein schon wegen der ganzen Fachwerkhäuser. Ich kann mich nicht daran satt sehen. So schön sind diese anzuschauen. Es ist ja bekannt, dass die damaligen Bauherren über der Eingangstür oder an anderen sichtbaren Stellen das Datum hinterlassen haben. Hier habe ich ein Haus entdeckt, dass trug die Ziffern 1529. Wahnsinn, oder? So alt ist es schon. Ganz toll.

Die Stadt Mühlhausen hat noch eine fast geschlossene Stadtmauer mit den jeweiligen Wehrtürmchen aus vergangener Zeit. Einige sind als Museum umgebaut worden und können besichtigt werden. Wie ich erfahren habe, ist damals  J. S. Bach hierher gekommen und hat in der Divi Blast Kirche seine Konzerte gegeben und auch hier gelebt. Ein gewisser Thomas Müntzer war wohl auch ein ganz großer damals gewesen. Angeblich soll auch hier der Mittelpunkt Deutschlands sein – gesehen habe ich diesen Punkt noch nicht. Eine sehr geschichtsträchtige Stadt ist das hier.

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Von dem ganzen schlendern durch die Stadt und Informationsflut bekam ich Hunger. In einer kleinen seitlich gelegenen Gasse entdeckte ich ein kleines Bio Café im Innenhof. Toll. Selbstgebackener Kuchen und leckeren heißen Kaffee.

Der Innenhof war ungefähr 5×5 Meter und auf sehr unebenen Rasen mit spontan hingelegten Steinen mit ein paar Stühlen und Tischen bestückt. Urige Atmosphäre. Ganz allein war ich dort. Ganz leise war es dort. Eine Stunde hatte ich noch bis 17 Uhr, dann schließt das Café seine Pforten. Reicht völlig aus um eine Kleinigkeit zu essen.

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Ich entschied mich für ein Stück Zebrakuchen und ein Stück Streuselkuchen und einen Pott Kaffee. Lecker. Schön, dass ich diesen tollen Platz gefunden hatte. Nach der Stille und Einsamkeit stürzte ich mich ins Getummel von Mühlhausen und gönnte mit ein alkoholfreies Weizen und beobachtete das bunte Treiben. Auch schön.

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Später im Hotel wurde ich von der vierundsiebzigjährigen (erfuhr ich später) Besitzerin mit einem Begrüßungsbierchen begrüßt. Das hatte ich auch noch nicht. Sie interessierte sich für meine Reise und so erzählte ich ihr einiges. Ihr Mann, der mich zuvor reingelassen hatte, hatte ihr es erzählt. Von ihr erfuhr ich auch, dass dieses Hotel zum Verkauf steht, da die Kinder und Enkelkinder kein Interesse am Hotel haben. Einmal im Jahr im August findet in Mühlhausen eine Kirmes* statt, dann ist immer alles ausgebucht. Wer Interesse hat ein Hotel zu besitzen…in Mühlhausen das Weinbergschlößchen steht eins. *wenn ich es richtig verstanden habe, dann bedeutet Kirmes hier in Thüringen, dass sämtliche umliegenden Orte und die jeweiligen Gesangs- und Schützenvereine verkleidet ein großes Straßenfest mit viel Musik geben. Die Parade durch Mühlhausen`s Straßen der einzelnen Vereine muss immer das absolute Highlight sein.

Ein … (Achtung Wiederholung) … Schnitzel mit Spiegelei und Bratkartoffeln ergänzten das Bierchen, welches auf’s Haus ging.

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Heute morgen gab es das erste Frühstück vorbereitet und kein Buffet. Es gab 2 Brötchen, Wurs“ch“t (wie man hier wohl sagt 😃), ein Ei unter einem Eierwärmer, selbstgemachte Marmelade und ’ne ganze Thermokanne Kaffee. Herrlich. Ein Brötchen habe ich nachbekommenen und konnte so die süßen Brotaufstriche probieren. Mmh…lecker!

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Gut gesättigt und einige Minuten der Verweildauer folgte was folgen muss…ich packte meine Taschen und machte mich radfein. Nachdem ich das Rad aus der Garage – die witzigerweise nur von innen vom Personal zu öffnen ging – packte ich es und fuhr los.

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Da ich gestern bei der Ankunft nicht mehr den Mittelpunkt von Deutschland gesehen hatte, entschied ich mich diesen – sofern dieser auf meinem Weg liegt – heute einen Besuch abzuhalten. Ein großes Stück der Strecke, welches ich gestern bereits schon hier her gefahren bin, führte mich Naviki zurück. An eine Abzweigung musste ich abbiegen und verließ die gestrige „Zielgeraden“. Knapp 10 Kilometer liegt dieser Punkt vom Hotel entfernt. Echt interessant am Mittelpunkt von Deutschland zu sein. Lange kann man sich dort nicht aufhalten – klar könnte man noch in ein Museum gehen, sich das sog. Opfermoor (was auch immer das ist anschauen – muss ich aber nicht), so machte ich mich wieder auf Tour, nächstes auf dem Weg liegende Zwischenziel Bad Langensalza.

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Die Wege dorthin sind wieder gesäumt von vielen Feldern und Obstbäumen. Was auf den griechischen Inseln die Olivenbäume sind, sind es hier die Apfel,- Birn,- und Pflaumenbäume die zum größten Teil frei und direkt am Wegesrand stehen. Paradiesische Verhältnisse für mich aus der Großstadt, wo ich doch solche Obststücke nur im Netz oder der gleichen beim Supermarkt kaufen kann. Klar gibt es auch Wochenmärkte, aber so frei in der Natur hat schon was. Eine Pflaume und einen Apfel musste ich gleich mal probieren. An die Birne kam ich nicht ran, war zu hoch. Die Pflaume zuckersüß, der Apfel noch sehr sauer, dennoch lecker. An einer Stelle der Strecke gab es sogar noch den typischen Plattenbau auf den Straßen. Hat gut gerappelt 🙂 an jeder Stoßkante.

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Um in Bad Langensalza reinzufahren, lotste mich Naviki über die B247 – eine Straße wo stellenweise die 70 km/h aufgehoben wurde. Das hieß also für mich höchste Konzentration und immer Blick auf die seitliche weiße Begrenzungslinie. Auf dieser Straße  wehte dazu noch ein sehr böiger Seitenwind von rechts. Da kommt schon einiges zusammen, zumal auch die vorbei fahrenden Autos auch noch etwas Wind hinter sich herziehen. Aber alle Autofahrer haben brav Abstand von mir genommen und so konnte ich  den seitlichen Winden mein ganze Kraft entgegensetzen. Windanfällig ist mein bepacktes Rad geworden, die Packtaschen hinten geben eine gute Angriffsfläche. Nun ja, die knapp 7 Kilometer gingen auch zu Ende und ich konnte links abbiegen und in die Stadt einfahren.

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Einmal quer durch mit dem Rad, nicht lange aufhalten, sondern einfach mal schauen. So dachte ich. Bis zum Rathaus mit Glockenspiel und Brunnen davor bin ich gekommen. Auch hier wieder viele Menschen unterwegs, die sich die Stadt anschauten. Eine Reisegruppe – alle mit roten T-Shirts und die Sprecherin in Tracht gekleidet – stand gerade davor, denen ich versuchte schiebend auszuweichen. Auf einigen Sitzbänken saßen Menschen. Sehr voll hier. Ein auf der Bank sitzender älterer Mann hat mein vorne befestigtes Schild laut vorgelesen und meinte noch, dass die auch da her kommen. ich blieb stehen und fragte, ob er auch aus Dresden käme. Nee, aus Duisburg war seine Antwort. Die Verwunderung und Freude war auf beiden Seiten groß. Das ist ja ein Zufall. Aus Duisburg. Wir unterhielten uns ein wenig über meine Reise und woher er und seine Frau genau kamen. Der Duisburger Norden, kurz vor Dinslaken ist deren Heimat. Hier in Bad Langensalza wird Urlaub gemacht, weil es hier so viel schöner ist als zu Hause.

Dieses Treffen fand ich so toll, das musste doch gleich – nachdem ich gefragt hatte – auf einem Foto festgehalten werden. Auf deren Fotoapparat bin ich auch verewigt worden. Das Foto hatte jemand für die beiden gemacht. Echt klasse so ein Treffen. Die beiden wünschten mir noch eine gute Weiterreise, ich denen noch ein schöne Zeit hier in der Stadt und wir verabschiedeten uns.

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Von hier aus programmierte ich mein Navi auf mein Etappenziel – Elxleben – ein. Interessanterweise finde ich, dass – egal durch welchen Ort (nicht Stadt) ich fahren durfte – ich habe immer das Gefühl dort herrscht Sonntag.

So auch hier in Elxleben. So gerade eben habe ich endlich wieder dieses typische gelbe Ortseingangschild entdeckt, welches ich natürlich mit einem kleinen Umweg knipsen musste.

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Unmittelbar danach war ich im Ort. Ein paar – wirklich nur ein paar – Häuser auf der linken Seite, noch wenigere auf der rechten. Welliges Kopfsteinpflaster die Straße. Meine Gedanken waren bei diesem Anblick, dass die ja immer kleiner werden meine zur Nacht bleibenden Ortschaften. Eine Kirchturmspitze zeigte sich und mein Kurs genau dorthin. Nach knapp 30 Meter weiter, meinte meine Assistentin, dass ich mein Ziel erreicht habe. Ah jetzt ja…ein Edeka und eine Apotheke. Halt stopp. Etwas weiter oben am Haus stand auch die Hotelbezeichnung, meine für diese Nacht. Uhr gestoppt.

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Die Anmeldung verlief unkompliziert und ich bekam den Zimmerschlüssel ausgehändigt. Für mein Fahrrad gibt es diesmal sogar eine abgeschlossen Tiefgarage. Frühstück ist von 8-10 Uhr und ab 18 Uhr macht die Terrasse und das Restaurant auf. Alles bestens soweit.

In der Tiefgarage steht ein ganz toll hergemachter alter Hanomag-Traktor. Der hat bestimmt schon einige Jährchen auf dem Buckel und so das eine und andere Feld befahren.

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In zivilen Kleidungsstücken machte ich mich auf, um den Ort besser kennen zulernen. Lohnte leider nicht. Hier ist nichts, aber absolut nichts. Auch keine schönen Häuser oder dergleichen. Doch halt…es gibt eine kleine Bank, eben diese Kirche von vorhin und ein Elxlebener Stübchen – welches durchgängig geöffnet hat und nur 100 Meter vom Hotel geradeaus sich befindet. Ein Grund dort mal einen „Spaziergang“ hin zu machen. Tatsächlich es war geöffnet. Ein kleiner Biergarten (da saßen und aßen sogar weitere Menschen). Es gibt hier doch welche 🙂

Bevor ich das Zimmer für den ausgedehnten – was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste verließ – zeigte sich der Himmel schon recht zugezogen – immer mehr Wolken.

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Dieser Anblick hatte dann auch, unmittelbar nachdem ich mich in dem Biergarten des Stübchens hingesetzt hatte, Taten sprechen lassen und es fing an zu regnen. Ein Plätzchentausch nach drinnen war die Folge. Ich bestellte mir eine große Thunfischpizza und ein alkoholfreies Weizen. Ein weiteres alkfreies folgte und ich zahlte am Ende 10,20 Euro! Extrem günstig würde ich mal so behaupten. So konnte ich doch zu einen die verbleibende Zeit gut nutzen und meinen ersten Hunger stillen.

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Ich werde aber dennoch die Speisekammer dieses Hauses hier auch testen und gehe dort jetzt mal hin. Zum zweiten Essen gab es gerade eben ein Steak mit Würzfleich und Käse überbacken, dazu Pommes und Salat. Wie ich mir sagen ließ, sei dies wohl eine typische Thüringer Spezialität. Lecker war es auf jeden Fall.

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Ich werde das Gefühl nicht los, dass es sich hier um ganz schön viel Essen handelt 🙂 So ist mein Appetit riesig. Denke, dass dieses tägliche fahren – ob kurz oder länger – mir dieses unersättliche Gefühl beschert. Das schmeckt aber alles gut hier 😉

Ach ja…die WLAN-Verbindung hier im Haus hat ein Volumen von sage und schreibe 100 MB, dann gibt es eine halbe Stunde Zwangspause, dann wieder 100 MB usw. Dinge gibt´s! TZE! Demnach dauerte es heute auch etwas länger, bis dieser Blog online ist 😦  Dank der Telekom und einem vorhanden Hotspot konnte ich mir wenigstens durchgängigen Onlinezugang ermöglichen. Man muss sich eben nur zu helfen wissen.

Abschließend kann ich sagen, dass die heutige Tour wieder sehr schön, abwechslungsreich und unterhaltsam war. Was mir während der Fahrt eingefallen ist, ich bin mittlerweile durch Nordrhein-Westfalen, durch Hessen und jetzt in Thüringen mit dem Rad. Dies macht mich sehr glücklich und stolz zugleich.

Morgen fahre ich nach Weimar. Vielleicht hast Du auch morgen wieder Lust und Zeit meinen Blog zu öffnen, wenn es wieder heißt „mit dem Rad von Duisburg nach Dresden“.

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Vielen Dank für Dein Interesse an meinen Bewegungen und an meinem Blog. Kommentare können gerne eingetragen werden.

Ich wünsche Dir einen schönen Samstagabend und verabschiede mich bis bald,

der bewegte Jürgen

Streckendetails

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