D2D Tag 13/13 (Sie haben Ihr Ziel erreicht!)

Start: 09:19 Uhr
Tageskilometer: 43,11 km
Tourenkilometer: 869 km
Fahrzeit: 03:12:38
Höhenmeter: 508 hm
Etappenziel: Dresden

Heute beginnt der letzter Tag meiner Radreise und es heißt Abschied nehmen. Abschied nehmen von den täglichen Ritualen die Taschen zu packen und das Bike zu beladen, Abschied nehmen von den täglich wechselnden Hotels, Abschied nehmen von dem täglich Radfahren, Abschied nehmen von der wunderschönen Landschaft, Abschied nehmen von der Ruhe, Abschied nehmen von meinen täglichen Blogs.

Aber bevor es zu Ende geht, beginnt der heutige Tag mit dem üblichen Frühstück. Gut gestärkt packte ich die Taschen und machte mich radfein. Nach dem auschecken konnte ich mein Rad aus dem abgeschlossenen Gewölbekeller befreien. Auf dem sehr schmalen Gehweg vor dem Hotel hängte ich die Taschen ein und verzurrte die quer aufliegende mit den beiden Seitentaschen. Die Lenkertasche klickte ich in die Klick-Fix-Halterung, das Kabel in mein iPhone, noch den Rucksack aufschnallen und den Helm auf…fertig und abreisebereit.

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Die wenigen Meter zum Marktplatz schob ich das Gefährt, um dort mein Navi die letzte Verbindung beizubringen. Dort war ein bißchen mehr Platz gewesen. Aber nicht mehr lange, denn dort bauten die einzelnen Marktstände die Buden auf. Uhr starten und schon war ich auf dem Weg aus der Stadt raus.

Den ersten Teil der Route hatte ich mich bei den Einstellungen von Naviki auf die kürzere Strecke entschieden. Als ich dann aber an einer Bundesstraße stand, auf der wie an einer Perlenschnur aufgereiht Fahrzeuge in beiden Richtungen fuhren. Das war mir zu viel und erschien mir nicht sicher genug. Navi gestoppt und auf die „Freizeit-Route“ umprogrammiert. Dieser neue Weg war schon viel besser, so wie ich es in den letzten Tagen gewohnt war. Kleine Nebenstraßen, kein Verkehr und durch kleine Orte führte mich der Weg. Sehr angenehm. Auch meine geliebten Anstiege durften nicht fehlen. Auch sehr rasante und lange Abfahrten waren dabei. Herrlich.

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Ab einer gewissen Stelle – es musste so ungefähr die Hälfte der Strecke vorbei sein – stoppte ich erneut die persönliche Assistentin und wollte ab jetzt wieder den kürzesten Weg weiterfahren. Was dann kam, hatte ich zum einen nicht mit gerechnet und zum anderen habe ich sowas auch noch nicht gemacht.

Die nächste Ansage forderte mich auf links abzubiegen. Ich habe das kleine Holzschild zwar gesehen, aber keinen direkten Weg erkennen können. Etwas verwundert fuhr ich noch ein paar Meter weiter, drehte um und schaute mir den angezeigten Weg erneut an. Nun ja, es war ein Feld mit diesen schwarzen vertrockneten Irgendwas-Stengeln. Auf dem keinen Holzschild stand „Wiesenweg nach Pohrsweg“. Man kann doch nicht dadurch fahren, mitten durchs Feld. Ich überlegte nicht lange, denn schließlich wollte ich auch schnell zu meinem Ziel kommen. (der hellen Streifen ist der „Wiesenweg“)

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So stellte ich mich auf die Pedalen und hoppelte mit schön angezogenen Bremsen das Feld hinunter. An den Hecktaschen peitschten diese Stengel mit lauten Krachen und gegen meine Beine piksten und kratzen diese Dinger. Der Boden ist eben hart gewordener Ackerboden und dementsprechend extrem buckelig und uneben. Mal gut, dass dieser Weg nur nach unten verlief. In entgegen gesetzter Richtung hätte ich mich nicht darauf eingelassen. Den einzigen Gedanken, den ich während dieser doch sehr eigenwilligen Abfahrt hatte, war, dass ich gleich unten vom einem Bauer darauf angesprochen werde, dass es verboten ist hier runter zu fahren und er mich wieder zurückschickt.

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(dort oben an den Bäumen begann dieser merkwürdige Weg) Dem war nicht so. Es stand unten sogar wieder so ein Holzschild. Diesmal stand aber „Wiesenweg nach Landbergweg“ drauf. Komischer Wiesenweg war das. An diesem unteren Schild konnte ich dann rechts abbiegen und der Boden wurde wieder normal und es ging größtenteils abwärts.

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Noch einige Umdrehungen der Räder weiter, da war es soweit. Ich sah zum ersten Mal die Frauenkirche in der Entfernung. Wow! (Mit bloßem Auge besser, als durch die Linse. Zwischen den beiden Laternen, mehr links, der weiße kleine Pin, das ist die Frauenkirche)

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(alles aus meinem Zoom der Digicam herausgeholt und…)

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Eh ich mich versah kam auch das erwünschte Eingangsschild. Super. Jetzt ist es offiziell. Am 25.08.2016 um 12:07 Uhr habe ich Dresden mit dem Fahrrad erreicht! Ich bin total happy!

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Jetzt nur noch schnell den Rest bis zur Frauenkirche und mein Ziel ist erreicht, wenn ich Sylwia getroffen habe.

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Die noch vorher gekauften Blumen für Sylwia legte ich quer auf den Lenker und fuhr in dem Großstadtgetümmel mit vielen Straßenbahnen, LKW´s und Autos durch die Straßen von Dresden. Man ist hier was los. Bin ich doch so ein Verkehrsaufkommen nicht mehr gewohnt. An jeder Ampel musste ich stehen bleiben. Soviel Menschen. Hier ist definitiv heute kein Sonntag 🙂

Die Straßenseite musste ich wechseln und konnte so an die Frauenkirche gelangen. Was für ein Anblick. Traumhaft schön! Naja, bis auf die häßlichen Bauzäune und Kräne im Vordergrund, die sich aber nicht vermeiden lassen, zumal während der Fahrt ausgelöst wurde.

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Auch wenn die Kirche mein selbst ausgewähltes Ziel meiner Reise war, war doch sehr schnell mein Interesse Sylwia so schnell wie möglich zu finden. Meine Idee war es, dass ich nicht erfahre, in welchem Café sie sich hinsetzt und auf mich wartet.

Auf dem Platz um die Kirche wimmelte es nur so von Menschen. Nach einigen kleinen schlenkern – da ich mich noch nicht entscheiden konnte welche Richtung -entschied mich mich entgegen der Uhr die Runde um die Kirche einzuschlagen.

Das war die richtige Entscheidung, denn wenige Meter des Fahrens und Suchens, stand Sylwia plötzlich auf und winkte mir zu. Sie hatte am Haus „Emil Reimann“ auf mich gewartet. Ganz schnell stieg ich vom Rad ab, stellte es auf den Hinterradständen und wir konnten und endlich begrüßen und uns darüber freuen uns wieder zusehen.

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Ich habe es geschafft.

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Ich bin alleine und ohne fremde Hilfe mit dem Rad von Duisburg nach Dresden gefahren.

„Sie haben Ihr Ziel erreicht!“

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Ich kann sehr glücklich, zufrieden und sehr stolz auf die letzten 13 Tage zurückblicken. Hatte ich doch  bestes Wetter gehabt, keine technische oder gesundheitliche Panne gehabt. Alle gebuchten Hotels waren okay gewesen. Ich bin durch 4 Bundesländer, quer durch die fast ganze Republik 869 Kilometer (auch wenn es 130 Kilometer mehr geworden sind – egal / jeder Kilometer hat sich gelohnt) gefahren und habe ganz beeindruckende Landschaften entdecken können. Jeden Kilometer mit eigener Muskelkraft abgefahren. Auf meinem Weg habe ich nette Menschen kennengelernt. Zwei Tage großartige Begleitung gehabt. Stellenweise bis häufig schlechte Internetanbindung vorgefunden. Für mein Verständnis sehr viele Berge hinauf gefahren. Lecker und reichlich gegessen. Eingefärbte Arme bekommen (kein Sonnenbrand).

Meine D2D-Tour mit jeden Tag (bis auf einen) radfahren und in der Natur sein, frei von jeglichem Stress und Nachrichten hat mir sehr sehr gut getan, hat mir viel Freude bereitet und mir erneut gezeigt, dass mein Wille Berge versetzen kann. Der feste Glaube an mich selbst, das hören auf den Körper und das einmalige (verrückte) Ziel vor Augen, haben mich tagtäglich motiviert und gestärkt.

Ganz lieben Dank an meine Frau Sylwia, die für mein Vorhaben vollstes Verständnis hat und mich in jeder Hinsicht unterstützt hat. Danke auch an meine Eltern, die stets an mich geglaubt und mich mit tollen Kommentaren hier im Blog unterstützt haben.

Claudia, Sigrid, Tina, Martina, Bianca, Volker, Peter, Uli, Ulf, Karsten, Jochen, Patrik und Damian ich danke Euch, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt und meinen Blog besucht und gelesen habt, dass Euch dieser Gefällt und das Ihr mir tolle Kommentare und gute Wünsche hinterlassen habt. Ihr seit echt spitze! Danke.  Allen anderen danke ich für´s Klicken auf „gefällt mir“ und Deinem Besuch meines Blogs.

Auch dankend muss ich Naviki erwähnen, die App hat mich bis auf ein paar Meter immer korrekt und zuverlässig durch die Straßen und Wege unseres Landes geführt. Weiterhin geht mein Dank an die Firma Cube, die mit dem Kathmandu ein sehr stabiles und sicheres Bike gebaut haben, welches mich über Stock und Stein perfekt gefahren hat.

In meinen 3 Taschen habe ich eine Menge – und dennoch nur das nötigste – mitgenommen. Nicht viel von dem habe ich nicht genutzt, was keineswegs zu bedauern wäre. Da wären die Regenklamotten, die Ersatzschläuche, das Werkzeug, die Pumpe und einen Pulli, sowie das erste Hilfe Set.

Alles andere war irgendwie täglich im Gebrauch. Also auch hier alles richtig im Vorfeld aussortiert.

Jetzt endet meine Fahrradtour und die täglichen Berichte.

In Bewegung bleibe ich dennoch…vielleicht laufend oder fahrend. Zum Beispiel startet aus  der Com demnächst wieder die Treppenchallenge in der zweiten Auflage. Wenn Du wissen möchtest, wieviele Stufen und Höhenmeter innerhalb einer Woche in der Gemeinschaft gesammelt werden können (Ziel ist es den Mount Everest höhentechnisch zu erreichen), dann schau doch einfach wieder hier rein. In der KW 37 beginnt die Challenge. Ich freue mich auf Dein Besuch hier in meinem Blog.

Ich wünsche Dir einen schönen Donnerstagabend und verabschiede mich bis bald,

der bewegte Jürgen

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Streckendetails

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